Kommunikation – die Vorteile und Grenzen von Hochsensiblen

Unsere Gaben bringen uns Vorteile, doch kommen Hochsensible auch schnell an ihre Grenzen in der Kommunikation.

“Jemanden zu verstehen bedeutet nicht
zu verstehen, was sie oder er sagt,
sondern zu verstehen, was sie oder er meint.”

 

Dieser Satz verankerte sich seit dieser einen Stunde Unterricht im Studienfach “Intercultural Communication Management” tief in mir. Mein damaliger Professor Prof. Peter Franklin, ein großartiger Lehrer, der seinen Beruf mit Leidenschaft und Herz lebt, hatte so einiges gesagt, was ich wohl nie wieder vergessen werde und mein Mindset stark geprägt hat. Mir fiel es dadurch im praktischen Leben v.a. im Ausland noch leichter, mit Menschen jeglichen kulturellen Hintergrunds und mit jeglichen Lebenserfahrungen zu kommunizieren, sie zu verstehen. Was ich bereits von Natur aus verstand und automatisch anwendete, verfeinerte sich durch die Wissenschaft der Sprachen und Kulturen, die Herr Franklin uns hier vermittelte: Umgang mit nonverbaler Kommunikation, Sprachmuster und deren kulturelle Zusammenhänge etc. 

Hochsensible Menschen haben durch ihre Fähigkeit, anderer Menschen innere Welt zu erspüren, klare Vorteile in der Kommunikation. Nicht selten wählen hochsensible Menschen deshalb Berufe, in denen diese Fähigkeit zum Tragen kommt: beratende, soziale, interkulturelle Berufe. Berufe, in denen die Arbeit mit und am Menschen im Vordergrund steht. Wir müssen das Hineinschauen in andere und somit das Verstehen des Gegenübers nicht sonderlich trainieren – es ist eine angeborene Gabe, die wir im Alltag meist unbewusst nutzen. Es passiert einfach.

Und trotz aller Gaben kommen auch Hochsensible in der Kommunikation an ihre Grenzen

Und zwar wenn wir Gesagtes persönlich nehmen. Sich schnell angegriffen oder verletzt zu fühlen scheint unter Hochsensiblen weit verbreitet zu sein. Hier nutzt uns unsere Gabe dann also wenig. Denn wenn wir uns angegriffen oder verletzt fühlen, fokussieren wir uns bewusst & unbewusst darauf, was die andere Person gesagt hat und wie sie es gesagt hat. Und eben nicht darauf, was gemeint war, und schneiden uns damit ins eigene Fleisch.
Woher kommt das? Wie können wir das verhindern?

Unsere mangelnde Abgrenzung und unser Ego

Der unbewusste Fokus auf das Gesagte anstatt auf das Gemeinte
– Mangelnde Abgrenzung

Hochsensible tun sich von Natur aus schwer damit, sich abzugrenzen. Platte und verletzende Kommunikation sind uns ein Dorn im Auge. Wir nehmen die Dinge sehr genau und legen großen Wert darauf, dass im zwischenmenschlichen Austausch niemand sein Gesicht verliert. Letzteres ist übrigens ein Wert, der vor allem in kollektivistischen, südostasiatischen Kulturen wie der chinesischen tief verankert ist. In diesen Gesellschaften haben wir Hochsensible mit unserer Natur also einen klaren Vorteil gegenüber Elefanten im Porzellanladen.

In der Welt des Gegenüber

Für eine unmissverständliche, harmonische Kommunikation ist es für Hochsensible meiner Meinung nach sehr empfehlenswert, ihre Abgrenzung zu trainieren. Nicht selten begeben wir uns durch unsere starke Empathie in die Welt des Gegenübers und merken gar nicht, wie verletzbar wir uns in diesem Moment machen. Und zack kommt ein “Angriff” und wir sind innerhalb von Millisekunden überwältigt. Fassungslos. Sprachlos und einfach baff.

Manchmal geschieht dies gar nicht sofort, sondern durch nachträgliches Reflektieren des Gesprächs. Unstimmigkeiten werden uns dann noch bewusster und unsere Gedanken beginnen, sich um diese zu kreisen. Somit wächst diese Unstimmigkeit und wir erlauben ihr, unseren emotionalen Zustand so zu beeinflussen, dass wir uns schlecht fühlen. Wir sorgen also proaktiv dafür, dass das Gesagte uns negativ beeinflusst. Abgrenzung und das damit verbundene Loslassen ist hartes aber überlebenswichtiges Training, wenn wir kommunikativ stärker und insgesamt glücklicher und leichter werden wollen. Das Schöne ist, dass beides wie mit jedem Training immer besser funktioniert und umso mehr Spaß macht, je öfter wir uns dem stellen und es durchziehen. Wenn Du hier Unterstützung brauchst – ich bin gerne für Dich da! <3

Der bewusste Fokus auf das Gesagte anstatt auf das Gemeinte
– Unser Ego

Schuld an mangelhafter Kommunikation ist auch unser perfektionistisches und detailorientiertes Ego, welches erwartet, dass wir überlegt und feinfühlig miteinander kommunizieren. Doch wir alle sind Menschen, und Worte oder Töne zu verfehlen ist menschlich. Unser Ego läuft durch unser starkes Empfinden Gefahr, zu wachsen, wenn Gesagtes an unserem Wertesystem kratzt. Es ist ein Lernprozess, abzuwägen, ob jemand wirklich bewusst auf Angriff oder Verletzung aus war, oder ob die Person aus Versehen fehltrat. Und dann loszulassen. Denn ein bei uns Menschen grundsätzlich verbreitetes Phänomen ist unser Trotzverhalten, welches dafür sorgt, dass wir an Verletzungen festhalten und Dinge aussprechen wie: “Ist mir völlig egal, wie Du das gemeint hast. Gesagt hast Du eben etwas anderes, und darum geht’s!” Die Folge hiervon sind negative Gedankenmuster und -schleifen, die uns noch Jahre später unser Glück kosten können.

Unterschiedliche Wertesysteme, unterschiedliche Deutungen

Außerdem ist jedes Menschen Wertesystem einzigartig. Wir bewerten einzelne Worte und Töne aufgrund unserer Herkunft, Lebenserfahrungen und somit subjektiven Bewertungen völlig individuell. Grundsätzlich sind die wenigsten Menschen wirklich und bewusst auf Disharmonie aus. Die meisten Menschen streben nach Frieden, wenngleich ihre Worte und Handlungen nicht immer dafür sorgen. Aus wiederum egoistischen Gründen oder aufgrund fehlender Sensibilität. Da ist also was dran, wenn Hochsensible gesagt bekommen: “nimm das doch nicht so persönlich.” Meist sind Aussagen anderer nämlich null auf uns bezogen, sondern sagen viel mehr über die anderen selbst etwas aus. Die Frage ist also auch, wie wir Gesagtes bewerten. Denn dementsprechend fühlen wir uns. 

Noch einmal für Dich zusammengefasst

wie Du Deine Energie und Beziehungen im Bezug auf Deine Kommunikation schützen kannst:

  • grenze Dich ab
  • lege Erwartungen ab
  • nimm die Perspektive des Anderen ein
  • bewerte Gesagtes neu
  • lass los

Tools, die ich Dir ans Herz legen möchte:

  • Bewusste Konfrontation:
    konfrontiere Dich bewusst mit unangenehmen Situationen, in denen Du die oben genannten Tipps trainieren kannst
  • Meditation:
    durch Meditation stärkst Du die Verbindung zu Deinem Kern und Deine Abgrenzungsfähigkeit. Außerdem fällt es Dir mit Meditationen immer leichter, loszulassen, Deine Gedanken zu kontrollieren und Deine Nerven zu beruhigen
  • Affirmationen:
    Wenn Du Dir Deiner Herausforderungen bewusst bist, dann wandle Deine negativen, Dich schwächenden Glaubenssätze in positive, Dich unterstützende Überzeugungen um wie “Ich kann mich in jeder Situation von der Welt meines Gegenübers abgrenzen und bei mir bleiben.”
    Affirmationen kannst Du auch als eine Art Selbsthypnose in Meditationen integrieren
  • Visualisierung:
    Nutze Deine bunte Phantasie. Stelle Dir regelmäßig Situationen vor, in denen Dich jemand aus der Fassung bringt und Du geerdet und zentriert reagierst. Fühle Dich intensiv in die fiktive Situation hinein. Je emotionaler, desto effektiver. Dein Gehirn unterscheidet nicht, ob Du Dir etwas nur vorstellst oder ob Du es tatsächlich erlebst. Du bereitest Dich somit mental auf unangenehme Situationen vor und kannst dann in der Realität eher so reagieren, wie Du möchtest.
    Visualisierungen kannst Du auch in Deine Meditationen integrieren. Am Besten gegen Ende Deiner Meditationen. Hier kannst Du zusätzlich für das gute Gelingen Deiner Situation, die Du Dir vorgestellt hast, danken. Das verstärkt Deine Selbstsicherheit und die Verinnerlichung dieser ‘bereits durchlebten’ erfolgreichen Situation.

 

 

Happy Friday, beautiful!

Deine

Mona

PS:

Vielen lieben Dank für dieses schöne Bild, Andreas! 🙂